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Erschossen sein wie Robert Blum

im Sinne von total erledigt, erschöpft, völlig kaputt oder sich in einer ausweglosen Lage befinden oder sich mit einer nicht zu bewältigenden Sache befassen. Diese Redewendung geht zurück auf das Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum, der, nach wenig erfolgreichem Barrikadenkampf, am 9. November 1848 in Wien standrechtlich erschossen wurde, obwohl er als Abgeordneter Immunität besaß.

Lithographie von Alfons von Boddien 1848

"Sir Robert ergreift die dargereichte Bruderhand_ in Folge dessen löst sich sofort die ganze französische Arme auf", Karikatur von Alfons von Boddien [Lithographie 1848, Druck: Gustav May, Frankfurt a. M.].

»Ich sterbe für die deutsche Freiheit, für die ich gekämpft. Möge das Vaterland meiner eingedenk sein«, waren seine letzten Worte; im Gedächtnis ist er tatsächlich geblieben, denn nur den wenigsten dürfte es gelingen, im Volksmund sprichwörtlich und im Schloss Bellevue Namensgeber eines Saales zu werden.*

Neben der Freiheit hatte Robert Blum eine weitere Leidenschaft: das Theater! Viele Jahre arbeitete er in verschiedenen Häusern als Faktotum. Er wurde Mitherausgeber eines siebenbändigen Theaterlexikons, das den wohl schönsten Buchtitel** in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts trägt:

"ENCYKLOPÄDIE alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde unter Mitwirkung der sachkundigsten Schriftsteller Deutschlands"

Die Abbildungen aus dem ersten Band stammen aus der Neuausgabe von 1846, die der Bände II bis VII aus der Erstausgabe 1839 bis 1842:

*Ach ja, auf eine Briefmarke hat er es auch geschafft, beinahe hätte ich gesagt: "Er ist in aller Munde!" Stimmt aber nicht, denn die Marke ist selbstklebend.

**Außer vielleicht "Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns" von Bettina und Gisela von Arnim, der noch tausend mal schöner ist.

Pistole mit der Robert Blum erschossen wurde (Privatbesitz, Baron Tschiderer, Wien)



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