because  art  is food                                                                                          
                            the WHY CHEAP ART? manifesto                                                                                                       Der hinkende Bote
ein Sammelsurium

                                                                         

 

Die erste Tuschzeichnung ist Freund Hain. Ihm widme ich meine Seiten, und Er soll als Schutzheiliger und Hausgott vorn an der Haustür der Seite stehen.

 Prolog

"Hinkender Bote" ist seit dem 16. Jahrhundert sprichwörtlich für die zwar verspätet eintreffende, jedoch  zuverlässige Nachricht. Kein schlechter Name, denke ich mir, für eine Seite die Sand, nicht Öl sein will, im Getriebe ihrer Zeit.

Hinterherhinken, ja das geht. Das will ich und das kann ich gut.

Hat aber schon jemand gehört, dass einer vorweghinkt?

VoRWEggehen ist wohl das mindeste, wenn nicht gar vorwegmarschieren.

Hinter dem Hinkenden werden sich weder Heer noch Haufen sammeln. Er hebt seinen Botenstab und winkt damit, er ruft: "He, ihr Eilenden, schaut her, ich hab noch was für euch, die wichtigsten Nachrichten von gestern." Allein, es hört ihn keiner. Er hinkt zu langsam, er ruft zu leise. Aber, immerhin, er ruft. Vielleicht hört ihn einer doch und fühlt sich gestört, reißt ihm den Stab aus der Hand und haut ihm damit eine Kerbe in den Schädel. Der Bote sinkt in den Graben und haucht, wenn ihn keiner findet, dort sein Leben aus.

Und niemand wird es bemerken.

Das zweite Bild zeigt das Deckblatt des "Lahrer hinkenden Boten" von 1863. Warum von 1863? Na, weil ich vermutlich damit keinen Ärger kriege wegen des Urheberrechts, und weil sich dieser Kalender eben zufällig in meinem Besitz befindet.  

Wer genau hinsieht kann die gute alte "Adler" auf ihrem Weg von Nürnberg nach Fürth oder zurück erkennen. Ja, sie ist bereits eine Neuerung, denn in den Jahren davor fuhr auf dem Titelblatt noch die ebenso gute, aber noch ältere Postkutsche.

Der Bote hinkt, weil ihm, knapp unterhalb des linken Knies, das Bein abhanden kam. Im Dienst für Fürst und Vaterland vermutlich. Als Bote hat er weiter sein Ansehen und sein Auskommen. Die meisten Invaliden hat es härter getroffen als ihn. Der Bote lächelt.

Noch.

Denn es naht Ungemach, zum Beispiel in Form von  Kalendern und vor allen Dingen von Zeitschriften und Zeitungen, die, das Wort "Bote" häufig noch im Namen tragend, doch nur leblose Druckerzeugnisse sind und von denen letzere bald auch in den hintersten Winkeln des Reiches mindestens drei mal in der Woche erscheinen werden.

So um das Jahr 1870 herum wurden die letzten Boten arbeitslos.

Das Ansehen war perdu, mit dem Auskommen war es nicht besser, denn der Kugelschreiber für die Heimarbeit war noch nicht erfunden.

   Marillus Fitchersvogel 

 

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